Ambulante Psychotherapie

Ambulante Psychotherapie gemäß §§ 4a bis 4d BVO NRW

Stand: November 2015

Grundsatz

Aufwendungen für eine ambulante Psychotherapie (tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie sowie Verhaltenstherapie) im Rahmen der Beihilfenverordnung NRW sind über die probatorischen Sitzungen hinaus nur nach vorheriger Genehmigung durch die Beihilfefestsetzungsstelle beihilfefähig.

Lediglich die Aufwendungen der psychosomatischen Grundversorgung bedürfen keiner vorherigen Anerkennung.

Voraussetzungen nach den §§ 4a bis 4d BVO NRW

Aufwendungen für psychotherapeutische Behandlungen sind beihilfefähig, sofern

  1. sie der Feststellung, Heilung oder Linderung von seelischen Krankheiten nach Abs. 1 dienen, bei denen Psychotherapie indiziert ist (z. B. affektive Störungen, Angststörungen, Essstörungen, nichtorganische Schlafstörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen),
  2. nach den probatorischen Sitzungen die Voraussetzungen für einen Behandlungserfolg gegeben sind und
  3. die Beihilfefestsetzungsstelle vor Beginn der Behandlung die Beihilfefähigkeit der Aufwendungen aufgrund eines ärztlichen Gutachtens der in den Verwaltungsvorschriften benannten Gutachter zur Notwendigkeit und zu Art und Umfang der Behandlung anerkannt hat.

Für die psychosomatische Grundversorgung müssen die Voraussetzungen nach den Ziffern 2 und 3 nicht erfüllt sein.

Verfahren

Vor Beginn der eigentlichen Behandlung muss die Anerkennung der ambulanten Psychotherapie bei der Beihilfefestsetzungsstelle unter Verwendung spezieller Formulare beantragt werden. Die entsprechenden Vordrucke können auf den Internetseiten der Beihilfekasse der Rheinischen Versorgungskassen ausgedruckt werden.

Der Antragsvordruck wird zusammen mit einem Bericht des behandelnden Therapeuten (gesondert in einem verschlossenen Umschlag) an die Beihilfefestsetzungsstelle gesandt. Diese leitet die Unterlagen an einen Gutachter weiter. Aufgrund der gutachterlichen Stellungnahme trifft die Beihilfefestsetzungsstelle ihre Entscheidung über die Beihilfefähigkeit und gegebenenfalls den Umfang der Behandlung (Anzahl der beihilfefähigen Sitzungen).
Bei einer Verlängerung der Behandlung über die anerkannten Behandlungseinheiten hinaus ist ein erneutes Gutachterverfahren erforderlich.
Bei einem Therapeutenwechsel sind zunächst die probatorischen Sitzungen beihilfefähig. Darüber hinausgehende Sitzungen bedürfen ebenfalls erneut eines Gutachterverfahrens, da die beihilfenrechtliche Anerkennung einer psychotherapeutischen Behandlung jeweils auf den behandelnden Therapeuten bezogen ist.

Ist bei vorgeschriebener vorheriger Anerkennung die Behandlung bereits vor der Anerkennung begonnen worden, kann zu den vorher entstandenen Aufwendungen, auch bei positiver Stellungnahme des Gutachters, grundsätzlich keine Beihilfe gezahlt werden. Dies kann ausnahmsweise dann nicht gelten, wenn mit der Behandlung aus zwingenden medizinischen Gründen begonnen werden musste. Die Entscheidung, ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, trifft die Beihilfefestsetzungsstelle nach Vorlage entsprechender Nachweise unter Einbeziehung des Gutachters.

Die Durchführung eines beihilfenrechtlichen Voranerkennungsverfahrens ist nicht erforderlich, wenn eine gesetzliche oder private Krankenversicherung der beihilfeberechtigten Person oder der bzw. des berücksichtigungsfähigen Angehörigen bereits eine Leistungszusage aufgrund eines durchgeführten Gutachterverfahrens erteilt hat, aus der sich Art und Umfang der Behandlung und Qualifikation des Therapeuten ergeben. Eine tarifliche Leistungszusage ersetzt kein Gutachterverfahren.

Probatorische Sitzungen

Bei den probatorischen Sitzungen handelt es sich um Sitzungen mit dem Ziel, eine nicht gesicherte Diagnose zu klären.

Die Aufwendungen für probatorische Sitzungen sind bis zu fünf Behandlungseinheiten bei biographischer Analyse oder Verhaltensanalyse beziehungsweise acht Behandlungseinheiten bei analytischer Psychotherapie beihilfefähig. Sie sind auch dann beihilfefähig, wenn sich eine psychotherapeutische Behandlung als nicht notwendig erweist.

Nicht beihilfefähige Behandlungsverfahren nach Anlage 1 zu § 4 Abs. 1 Nr. 1 Satz 5 BVO NRW

Die Aufwendungen für folgende Behandlungsverfahren sind nicht beihilfefähig:

  • Familientherapie,
  • Funktionelle Entspannung nach Dr. Fuchs,
  • Gesprächspsychotherapie (z. B. nach Rogers),
  • Gestalttherapie,
  • Körperbezogene Therapie,
  • Konzentrative Bewegungstherapie,
  • Logotherapie,
  • Musiktherapie,
  • Heileurhythmie,
  • Psychodrama,
  • Respiratorisches Biofeedback,
  • Transaktionsanalyse.

Behandlungen, die zur schulischen, beruflichen oder sozialen Anpassung oder Förderung bestimmt sind, gehören nicht zu den psychotherapeutischen Leistungen. Entsprechendes gilt für Maßnahmen der Erziehungs-, Ehe-, Lebens- oder Sexualberatung, für heilpädagogische und ähnliche Maßnahmen sowie für psychologische Maßnahmen, die der Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte dienen. Auch die Neuropsychologische Therapie gehört nicht zu den psychotherapeutischen Leistungen.

Psychosomatische Grundversorgung § 4b BVO NRW

Die psychosomatische Grundversorgung beinhaltet die Behandlung psychosomatischer Krankheiten. Dies sind körperliche Beschwerden, die - ohne dass organische Krankheiten feststellbar sind - auf seelischen Belastungen beruhen.

Leistungsumfang

Die psychosomatische Grundversorgung nach § 4b BVO umfasst:

  1. verbale Interventionen im Rahmen der Nummer 849 GOÄ oder
  2. übende und suggestive Interventionen (autogenes Training, Jacobsonsche Relaxationstherapie, Hypnose) nach den Nummern 845 bis 847 GOÄ.

Die Aufwendungen sind je Krankheitsfall beihilfefähig für:

  • verbale Intervention als Einzelbehandlung für bis zu 25 Sitzungen, sowohl über einen kürzeren Zeitraum als auch im Verlauf chronischer Erkrankungen über einen längeren Zeitraum in niederfrequenter Form,
  • autogenes Training und Jacobsonsche Relaxationstherapie als Einzel- oder Gruppenbehandlung für bis zu zwölf Sitzungen; eine Kombination von Einzel- und Gruppenbehandlung ist hierbei möglich, sowie
  • Hypnose als Einzelbehandlung für bis zu zwölf Sitzungen.

Leistungen der verbalen Intervention dürfen in derselben Sitzung nicht mit autogenem Training, Jacobsonsche Relaxationstherapie oder Hypnose kombiniert werden. Neben den Aufwendungen für eine verbale Intervention nach Nummer 849 GOÄ sind Aufwendungen für körperbezogene Leistungen des Arztes beihilfefähig.

Aufwendungen für eine verbale Intervention sind nur beihilfefähig, wenn die Behandlung von Fachärzten für Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -physiotherapie, Neurologie, Phoniatrie und Pädaudiologie, Psychiatrie und Psychotherapie oder Psychotherapeutische Medizin bzw. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durchgeführt wird.

Aufwendungen für übende und suggestive Interventionen sind nur dann beihilfefähig, wenn die Behandlung von Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten durchgeführt wird und diese Personen über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung solcher Interventionen verfügen.

Aufwendungen für eine bis zu sechs Monate dauernde ambulante psychosomatische Nachsorge nach einer stationären psychosomatischen Behandlung sind in angemessener Höhe beihilfefähig. Diese Regelung beruht darauf, dass für den Langzeiterfolg einer stationären Therapie die Patienten in der Lage sein müssen, die Techniken und Fähigkeiten anzuwenden, die sie sich in der Therapie angeeignet haben.

Ambulante psychosomatische Nachsorge

Diese Behandlungsform der Nachsorge ist keine psychotherapeutische Behandlung und bedarf daher keines Gutachterverfahrens.

Leistungsumfang der ambulanten psychosomatischen Nachsorge

Die Aufwendungen sind bis zur Höhe der Vergütung beihilfefähig, die von gesetzlichen Krankenkassen oder den Rentenversicherungsträgern gezahlt werden.

Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie § 4c BVO NRW

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse sind Methoden zur Überwindung von Krisen und psychischen Erkrankungen.
Der Beihilfefähigkeit steht nicht entgegen, wenn bei tiefenpsychologisch fundierter oder analytischer Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Bezugspersonen einbezogen werden.

Leistungsumfang der tiefenpsychologisch fundierten und analytischen Psychotherapie

Aufwendungen für Behandlungen der tiefenpsychologisch fundierten und der analytischen Psychotherapie nach den Nummern 860 bis 865 GOÄ sind je Krankheitsfall in folgendem Umfang beihilfefähig:

1. tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 50 Sitzungen 40 Sitzungen
besondere Fälle: weitere 30 Sitzungen weitere 20 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: höchstens weitere 20 Sitzungen höchstens weitere 20 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 60 Sitzungen weiter begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen

2. analytische Psychotherapie

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 80< Sitzungen 40 Sitzungen
bei erneuter eingehender Begründung des Therapeuten: weitere 80 Sitzungen weitere 40 Sitzungen
in besonderen Ausnahmefällen: nochmals weitere 80 Sitzungen nochmals weitere 40 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 60 Sitzungen weiter begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen

3. tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie von Kindern

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 70 Sitzungen 40 Sitzungen
bei erneuter eingehender Begründung des Therapeuten: weitere 50 Sitzungen weitere 40 Sitzungen
in besonderen Ausnahmefällen: nochmals weitere 30 Sitzungen nochmals weitere 15 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 60 Sitzungen weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen

4. tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie von Jugendlichen

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 90 Sitzungen 40 Sitzungen
bei erneuter eingehender Begründung des Therapeuten: weitere 50 Sitzungen weitere 20 Sitzungen
in besonderen Ausnahmefällen: nochmals weitere 40 Sitzungen nochmals weitere 30 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 60 Sitzungen weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen

Verhaltenstherapie § 4d BVO NRW

Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlung von auffälligem oder unerwünschtem Verhalten. Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird damit aber nur das Symptom behandelt, während die Ursache unter Umständen weiterhin bestehen bleibt.

Neben einer Verhaltenstherapie sind gleichzeitige Behandlungen nach anderen psychotherapeutischen Behandlungsverfahren nicht zulässig.

Leistungsumfang der Verhaltenstherapie

Aufwendungen für Verhaltenstherapie nach den Nummern 870 und 871 GOÄ sind nur in folgendem Umfang beihilfefähig:

1. bei Erwachsenen

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 45 Sitzungen 45 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere 15 Sitzungen höchstens weitere 20 Sitzungen
nur in besonders begründeten Ausnahmefällen: weitere 20 Sitzungen weitere 20 Sitzungen

2. bei Kindern und Jugendlichen einschließlich notwendiger begleitender Behandlung von Bezugspersonen

  Einzelbehandlung Gruppenbehandlung
Regelfall 45 Sitzungen 45 Sitzungen
wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht: weitere 20 Sitzungen weitere 20 Sitzungen
nur in besonders begründeten Ausnahmefällen: weitere20 Sitzungen weitere 20 Sitzungen

Ambulante Psychotherapie durch Heilpraktiker

Psychotherapeutische Behandlungen nach §§ 4a bis 4d BVO durch Heilpraktiker sind nicht beihilfefähig. Die Rechtmäßigkeit dieses Ausschlusses ist durch das Urteil des VG Sigmaringen vom 18.07.1999 - 9 K 1458/94 - bestätigt worden.

Stationäre Krankenhausbehandlungen im Bereich Psychotherapie/Psychosomatik

Stationäre Behandlungen im Krankenhaus im Bereich Psychotherapie/Psychosomatik bedürfen keiner vorherigen beihilfenrechtlichen Genehmigung.

Hinsichtlich der Beihilfefähigkeit der Aufwendungen für eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus oder in einer Privatklinik informieren Sie sich bitte auf der Seite Krankenhausbehandlungen (Merkblatt).

Im Rahmen einer stationären psychotherapeutischen Behandlung ist die Gestalttherapie, die Musiktherapie sowie die konzentrative Bewegungstherapie als Begleitverfahren und Techniken der psychotherapeutischen Behandlung wissenschaftlich anerkannt und damit beihilfefähig.

Soziotherapie § 4g Abs. 1 Nr. 1 BVO NRW

Bei der Soziotherapie handelt es sich um eine nervenärztlich/psychiatrisch verordnete Unterstützung und Handlungsanleitung für chronisch/psychisch Kranke zur Überwindung krankheitsspezifischer Defizite und daraus entstehender Beeinträchtigungen. Aufwendungen für diese Therapie sind beihilfefähig, wenn die an einer schweren psychischen Erkrankung leidenden Patienten nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen selbständig in Anspruch zu nehmen und durch diese Therapie eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird. Die Soziotherapie soll den Patienten durch Motivierungsarbeit und strukturelle Trainingsmaßnahmen helfen, psychosoziale Defizite abzubauen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Soziotherapie auch synonym mit Sozialtherapie oder Betreutem Wohnen für psychisch Kranke verwendet.

Leistungsumfang der Soziotherapie

Die Verordnung von Soziotherapie dürfen nur Ärzte mit der Gebietsbezeichnung "Psychiatrie oder Nervenheilkunde" vornehmen.
Insgesamt können höchstens 120 Therapiestunden innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren berücksichtigt werden. Die Soziotherapieeinheit umfasst 60 Minuten, wobei diese auch in kleineren Einheiten maßnahmebezogen aufgeteilt werden kann.
Leistungserbringer von Soziotherapie sind Diplom-Sozialarbeiterinnen und Diplom-Sozialarbeiter sowie Fachgesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. -pfleger für Psychotherapie. Beihilfenrechtlich werden nur von der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassene Leistungsträger anerkannt.

Die Aufwendungen für die Soziotherapie sind in der Höhe der zwischen den Ortskrankenkassen und den Leistungsträgern vereinbarten Sätze beihilfefähig.

Rechtliche Hinweise

Dieses Merkblatt soll Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Bestimmungen zur Beihilfe geben. Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass dieses Merkblatt nur eine begrenzte Übersicht der umfangreichen Bestimmungen geben kann. Rechtsansprüche können Sie hieraus nicht ableiten.

Kundenservice

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  • täglich von 10:00 bis 11:00 Uhr
  • zusätzlich montags bis donnerstags von 14:00 bis 15:00 Uhr

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www.versorgungskassen.de

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